ABC sagt erstmals ganze Bachelorette-Staffel nach Gewaltvorwürfen ab
Zum ersten Mal in der Geschichte der Show hat ABC eine gesamte Staffel von The Bachelorette abgesagt. Der Schritt folgt auf ein 2023 aufgetauchtes Video, das die Protagonistin Taylor Frankie Paul in einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit ihrem ehemaligen Partner zeigt. Der aktuelle Skandal reiht sich ein in eine lange Liste von Affären, die das Franchise gezwungen haben, seinen Umgang mit Vielfalt und Verantwortung grundlegend zu überdenken.
Jahre lang stand das Format wegen mangelnder Diversität in der Kritik. Über weite Strecken der Sendung waren die Hauptdarsteller:innen und Kandidat:innen fast ausschließlich weiß, was zu öffentlichem Protest führte. Erst 2017 wurde mit Rachel Lindsay die erste schwarze Protagonistin besetzt, gefolgt von Matt James als erstem schwarzen Bachelor 2020 – beide Änderungen erfolgten unter Druck von Zuschauer:innen und Aktivist:innen.
2021 trat der langjährige Moderator Chris Harrison zurück, nachdem er die Kandidatin Rachael Kirkconnell verteidigt hatte, der rassistisches Fehlverhalten vorgeworfen wurde. Sein Abschied markierte einen Wendepunkt und leitete eine Neuausrichtung bei Besetzung und Moderation ein. Jesse Palmer übernahm die feste Moderation von The Bachelor, während Kaitlyn Bristowe und Tayshia Adams vorübergehend The Bachelorette präsentierten. Das Franchise brachte zudem diversere Hauptdarsteller:innen ins Spiel, darunter 2024 mit Jenn Tran die erste asiatisch-amerikanische Protagonistin und 2023 mit Charity Lawson eine schwarze Hauptfigur.
Trotz dieser Schritte blieben Probleme bestehen. Kandidat:innen of Color sahen sich häufig online Hetze ausgesetzt, was die Frage aufwarf, ob das Publikum mit den sich wandelnden Werten der Show Schritt halten konnte. Eine Folge aus dem Jahr 2019 in Singapur, in der Teilnehmer:innen lokales Essen verspotteten, unterstrich zudem die kulturelle Unempfindlichkeit des Formats. Als Reaktion integrierte das Franchise Handlungsstränge zu psychischer Gesundheit, Body-Positivität und Antirassismus – doch die Herausforderungen blieben.
Die Absage von Taylor Frankie Pauls Staffel bricht mit der bisherigen Praxis des Franchise, Probleme während der Ausstrahlung zu thematisieren. ABCs Entscheidung signalisiert eine härtere Linie gegenüber Fehlverhalten abseits der Kamera – selbst nach Abschluss der Dreharbeiten.
Die gestrichene Staffel spiegelt den anhaltenden Spannungsbogen wider, mit dem das Franchise zwischen Unterhaltung und ethischer Verantwortung ringt. Angesichts der wachsenden Aufmerksamkeit für Vielfalt, Repräsentation und das Verhalten der Kandidat:innen werden künftige Staffeln wohl noch kritischer unter die Lupe genommen. Gleichzeitig setzt die Entscheidung einen Präzedenzfall dafür, wie die Show künftig mit Kontroversen umgeht.






