Aktivistin übergibt umstrittene Gedichte von Kulturminister an Nationalbibliothek
Finn BauerAktivistin übergibt umstrittene Gedichte von Kulturminister an Nationalbibliothek
Die Aktivistin Martha Root hat eine umstrittene Gedichtsammlung des Ministers Wolfram Weimer der Deutschen Nationalbibliothek überlassen. Das unter dem Titel „Kopfpilz“ erschienene Buch enthält anstößiges Material und hat eine öffentliche Debatte ausgelöst. Roots Schritt folgt auf frühere Kritik an Weimers früheren Werken und seiner Rolle als Kulturminister.
Im November 2021 hatte der Satiriker Jan Böhmermann die Gedichtsammlung in der Sendung „ZDF Magazin Royal“ thematisiert. Das Buch enthält derbe und geschmacklose Gedichte, von denen einige frauenfeindliche Inhalte aufweisen. Einen Monat später infiltrierte Root auf dem Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform „White Date“.
Root digitalisierte „Kopfpilz“ und stellte das Werk auf Archive.org zum kostenlosen Download bereit. Zudem plant sie, ein physisches Exemplar zu versteigern, um Spenden für „Lesen Hilft“ zu sammeln – eine Initiative zur Unterstützung linker Buchhandlungen. Die Übergabe an die Nationalbibliothek erfolgte trotz eines Stoppes der Erweiterungspläne der Bibliothek durch Weimers Ministerium im März. Beamte bezeichneten die Maßnahme später als „Moratorium“ statt als endgültige Abschaffung.
Root argumentiert, dass Weimers Weigerung, sich zu seinen frühen Werken zu äußern, Zweifel an seiner Eignung als Kulturminister aufwirft. Sie betont, dass ihre Aktionen nicht persönlich motiviert seien, sondern Teil einer größeren Debatte über kulturelle Verantwortung.
Die Gedichtsammlung ist nun über die Deutsche Nationalbibliothek öffentlich zugänglich. Mit ihrer Spende und der geplanten Versteigerung will Root linke Literaturprojekte fördern. Die Diskussion über Weimers frühere Schriften und deren Bedeutung für sein heutiges Amt hält derweil an.






