Apotheken kämpfen trotz Rekordnachfrage mit unwirtschaftlichen Dienstleistungen
Paul MeyerApotheken kämpfen trotz Rekordnachfrage mit unwirtschaftlichen Dienstleistungen
Deutsche Apotheken bieten mehr vergütete pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) an als je zuvor – doch viele kämpfen weiterhin damit, sie wirtschaftlich tragfähig zu gestalten. Trotz einer stetig steigenden Nachfrage seit 2012 bleibt ein beträchtlicher Teil der dafür vorgesehenen 537 Millionen Euro ungenutzt. Branchenexperten warnen nun: Ohne entscheidende Reformen könnte die langfristige Zukunft der pDL auf dem Spiel stehen.
Die Zahl der von Apotheken erbrachten pDL-Leistungen ist im vergangenen Jahrzehnt stark angestiegen. Wurden 2012 noch rund 4,5 Millionen Dienstleistungen dokumentiert, lag die Zahl 2023 bereits bei über 40 Millionen – mit einer leichten weiteren Steigerung bis 2025. Doch trotz dieses Wachstums bleibt ein großer Teil der Mittel ungenutzt: 537 Millionen Euro wurden nicht abgerufen.
Die Freie Apothekerschaft (FA) betont, dass Apotheken zwar über das nötige Fachwissen verfügen, die aktuelle Vergütungsstruktur die Kosten jedoch oft nicht deckt. Ein Beispiel sind Bluthochdruck-Risikoanalysen, für die pro Patient eine Nettovergütung von 11,20 Euro gezahlt wird. Die Daten zeigen: Nur etwa jede dritte Apotheke erwirtschaftet damit Gewinne, mehr als die Hälfte arbeitet sogar mit Verlust.
Neben finanziellen Hürden sehen sich Apotheken mit praktischen Hindernissen konfrontiert: Personalmangel, hoher administrativer Aufwand und begrenzte räumliche Kapazitäten erschweren die effiziente Erbringung von pDL-Leistungen. Zudem belasten Spannungen zwischen den Gesundheitsberufen die Situation zusätzlich – viele Apotheken zögern daher, ihr Angebot auszuweiten.
Die Politik steht nun unter Druck, die Vergütung der pDL zu reformieren, um die Dienstleistungen bundesweit langfristig zu sichern. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) fordert eine Anpassung der Gebühren auf ein existenzsicherndes Niveau. Ohne solche Änderungen bleibt die Zukunft der pDL-Leistungen – und der ungenutzten Mittel – ungewiss.