Apothekenreform scheitert an Widerstand – Droht das Aus für lokale Apotheken?
Jakob BraunApothekenreform scheitert an Widerstand – Droht das Aus für lokale Apotheken?
Apothekenreform in Deutschland stößt auf heftigen Widerstand
Die geplante Apothekenreform der Bundesregierung sieht sich mit massiver Kritik von Apothekern und Politikern konfrontiert. Gegner monieren, dass zentrale Forderungen – darunter eine zugesagte Erhöhung der Festbeträge – in den Plänen nicht berücksichtigt wurden. Im Mittelpunkt der Debatte stehen zudem die wachsende Konkurrenz durch Online-Händler und die Zukunft der lokalen Apotheken.
Das vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegte Reformpaket soll die Apothekenarbeit modernisieren, doch viele Branchenvertreter halten es für unausgereift. Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, betont, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung der Festbeträge um 9,50 Euro "überlebenswichtig" sei. Ohne diese Anpassung, so seine Warnung, drohe vielen Apotheken – besonders in ländlichen Regionen – die Schließung.
Carolina Trautner, Apothekerin und Mitglied im Gesundheitsausschuss Bayerns, teilt diese Bedenken. Sie unterstreicht, dass Apotheken Planungssicherheit benötigten, um die Arzneimittelversorgung langfristig zu gewährleisten. Sowohl sie als auch Seidenath lehnen Pläne ab, nach denen Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) Apotheken eigenständig führen dürfen – dies könnte ihrer Meinung nach die fachlichen Standards untergraben.
Bernd Stocker, Regionalverkaufsleiter beim Pharmagroßhändler Noweda, verweist auf die finanzielle Belastung vieler Apotheken. Immer weniger junge Apotheker seien bereit, Betriebe zu übernehmen, was vor allem in unterversorgten Gebieten zu Schließungen führen könnte. Seidenath fordert zudem ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten und verweist auf strengere Regelungen in anderen EU-Ländern.
Kritiker der Reform argumentieren, dass Online-Apotheken mit weniger Auflagen konfrontiert seien als stationäre Apotheken. Diese Ungleichbehandlung könnte die traditionellen Betriebe weiter destabilisieren und den Zugang zu persönlicher Beratung verschlechtern.
Angesichts des wachsenden Widerstands bleibt die Zukunft der Reform ungewiss. Apotheker und Politiker pochen auf die Festbetragserhöhung und schärfere Regeln für den Online-Vertrieb, um die lokalen Versorgungsstrukturen zu schützen. Ohne Nachbesserungen drohen vor allem in ländlichen Regionen Apothekensterben und eine verschlechterte Verfügbarkeit lebenswichtiger Medikamente.






