Brandenburgs Druckmaschinenwerk wird zur Waffenfabrik für Drohnenabwehr
Paul MeyerBrandenburgs Druckmaschinenwerk wird zur Waffenfabrik für Drohnenabwehr
Druckmaschinenwerk in Brandenburg an der Havel stellt auf Rüstungsproduktion um
Ein Druckmaschinenwerk in Brandenburg an der Havel verändert seinen Produktionsschwerpunkt hin zur Militärtechnik. Der seit 1991 von der Heidelberger Druckmaschinen AG betriebene Standort wird künftig Abwehrsysteme gegen Drohnen herstellen. Die Umstellung hat bereits unter Anwohnern und Politikern kontroverse Diskussionen ausgelöst.
Das neu gegründete Joint Venture HD Advanced Technologies (HDAT) kooperiert dafür mit dem amerikanisch-israelischen Unternehmen OAS, um autonome Gegen-Drohnen-Technologie zu entwickeln. Die Systeme sollen vor allem Hobby-Drohnen in der Nähe von Flughäfen ausschalten und so das Kollisionsrisiko verringern. Doch nicht alle befürworten den Wandel.
Aktuell beschäftigt das Werk rund 400 Mitarbeiter und bildet Auszubildende in den Berufen Industriemechanik und Mechatronik aus. Laut Plan soll die Produktion zunächst in Brandenburg anlaufen, bevor sie auf die Ukraine und später weitere EU-Länder ausgeweitet wird. Die Technologie ist darauf ausgelegt, unbefugte Drohnen – insbesondere in sensiblen Bereichen wie Flughäfen – zu erkennen und außer Gefecht zu setzen.
Die Kritik daran wächst rasant. Heidi Hauffe, Vorsitzende des BSW-Kreisverbands, warnte, ein Drohnenabwehrzentrum könnte die Stadt im Konfliktfall zum potenziellen Ziel machen. Dominik Mikhalkevich, Bewohner des nahegelegenen Stadtteils Hohenstücken, argumentiert, die Region werde seit 1990 vernachlässigt und brauche zivile Investitionen statt Militäraufträge. Andere, wie die Linken-Abgeordnete Christin Willnat, lehnen die Umstellung grundsätzlich ab. Sie fordern stattdessen Fördergelder für zivile Technologien – und nicht für Waffen, die in instabile Regionen exportiert werden könnten.
Andreas Kutsche, BSW-Landesabgeordneter, bezeichnete Rüstungsproduktion als "totes Kapital" und stellte den langfristigen Nutzen infrage. Militärische Fertigung schaffe weder nachhaltige Arbeitsplätze noch wirtschafliches Wachstum, so seine Argumentation. Befürworter des Projekts verweisen hingegen auf die Sicherheitsvorteile und warnen vor drohnenbedingten Unfällen in der Nähe von Flughäfen.
Der Wandel vom Druckmaschinenbau zur Drohnenabwehr markiert einen tiefgreifenden Einschnitt für Brandenburg an der Havel. Noch in diesem Jahr soll die Produktion anlaufen, mit dem Ziel, Systeme nach Deutschland, in die Ukraine und später in die gesamte EU zu liefern. Doch die Entscheidung spaltet die Meinungen: Während die einen Sicherheitsrisiken, wirtschaftliche Prioritäten und die Ethik von Rüstungsgütern hinterfragen, betonen andere die dringend benötigten Innovationen im Bereich Luftsicherheit.






