29 April 2026, 04:52

Deutsches Theater feiert die Rückkehr der epischen Langzeitaufführungen

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" mit sichtbarem Text und einem Logo auf der Seite.

Deutsches Theater feiert die Rückkehr der epischen Langzeitaufführungen

Deutsches Theater und die Kunst der Langzeitaufführungen

Das deutsche Theater ist seit langem für seine marathongleichen Inszenierungen bekannt, die weit über die übliche Spieldauer hinausgehen. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen, einem der renommiertesten Festivals des Landes, wird mit Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen ein siebenstündiges Epos der Münchner Kammerspiele zu sehen sein. Der Trend zu ultra-langen Produktionen ist zwar nicht neu, doch er bleibt ein prägendes Merkmal der Szene.

Die Tradition ausufernder Theaterstücke reicht Jahrzehnte zurück. Schon Einstein on the Beach von Robert Wilson, 1976 uraufgeführt, dauerte vier bis fünf Stunden ohne Pause. Mit dem Aufstieg des Regietheaters in den 1970er- und 1980er-Jahren wurden die Grenzen weiter ausgereizt – ambitionierte, weitläufige Werke fanden zunehmend Zuspruch.

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Eines der extremsten Beispiele lieferte 1999 Luk Percevals Schlachten bei den Salzburger Festspielen, das volle zwölf Stunden dauerte. Kürzlich brachte das Schauspielhaus Bochum 2023 Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Nun bereitet die Berliner Volksbühne eine Neuauflage von Peer Gynt vor, dessen erste Version einst acht Stunden umfasste.

Die Pandemie unterbrach diesen Trend vorübergehend. Während der Lockdowns und Wiedereröffnungsphasen strichen viele Theater Pausen, um die Aufführungen zu verkürzen. Doch die Faszination für langatmige Produktionen verschwand nie ganz. Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte 2007 beim Wiener Festwochen erstmals eine dieser Mammutinszenierungen – ein Erlebnis, das sie nachhaltig prägte.

Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine Spieldauern statistisch, doch das Theatertreffen präsentiert Jahr für Jahr die gewagtesten Arbeiten. Das Festival lädt zehn herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein, wobei oft besonders mutige, zeitlich ausgreifende Stücke bevorzugt werden.

Auch in diesem Jahr unterstreicht das Theatertreffen die Ausdauer des Langform-Theaters. Wallenstein reiht sich ein in eine Tradition von Inszenierungen, die das Publikum mit ihrem Umfang und ihrer künstlerischen Wagnis herausfordern. Für viele bleiben diese Theater-Marathons ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschsprachigen Bühnenkultur.

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