FDP-Spaltung: Hagens Interview mit Junger Freiheit entfacht Streit über rechte Grenzen
Paul MeyerFDP-Spaltung: Hagens Interview mit Junger Freiheit entfacht Streit über rechte Grenzen
Ein jüngst von FDP-Generalsekretär Martin Hagen gegebenes Interview mit der Jungen Freiheit hat innerhalb der Partei für Aufsehen gesorgt. Kritiker werfen ihm vor, damit rechtsextreme Positionen zu normalisieren, während Befürworter den Schritt als notwendigen Ausbruch aus politischen Echokammern verteidigen.
Hagen hatte der Jungen Freiheit, einem Medium, das häufig mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht wird, ein Interview gewährt. Anschließend rechtfertigte er seine Entscheidung und betonte, das Blatt sei weder unseriös noch verfassungsfeindlich. Seine Äußerungen stießen bei Parteimitgliedern jedoch auf sofortige Ablehnung.
Die ehemalige FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verurteilte das Interview scharf. Sie stufte die Junge Freiheit als „nicht gesprächswürdig“ ein und warnte davor, dass eine Zusammenarbeit mit dem Blatt der rechtspopulistischen AfD Legitimität verschaffen könnte. Zugleich bekräftigte sie die Haltung der FDP, keine Kooperation mit der AfD einzugehen, die sie als eine von ethnonationalistischen und westfeindlichen Ideologen dominierte Partei bezeichnete.
Aus Protest sagte Sabine Döring ihre Teilnahme an einer Podiumsdiskussion der parteinahen Friedrich-Naumann-Stiftung ab. Unterdessen lobte FDP-Vorstandsmitglied Susanne Seehofer Hagens Vorgehen. Sie argumentierte, politischer Dialog dürfe sich nicht auf vertraute Kreise beschränken.
Hagen kritisierte zudem gesellschaftliche Entwicklungen in breiterem Kontext. Besonders während der Amtszeit Angela Merkels habe die Gesellschaft „verlernt, miteinander zu streiten“, so sein Vorwurf. Das Magazin Der Spiegel positionierte sich ebenfalls und urteilte, das Interview mit der Jungen Freiheit überschreite eine journalistische Grenze.
Der Streit offenbart tiefe Gräben innerhalb der FDP über den Umgang mit umstrittenen Medien. Hagens Interview hat die Debatte über die Grenzen der Partei und ihr Verhältnis zum rechten Rand weiter angeheizt. Die Folgen zeigen sich in öffentlichen Rückzügen und erneuten Bekundungen zu den politischen roten Linien der Freien Demokraten.
