Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe und Hasskampagnen
Finn BauerGleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe und Hasskampagnen
Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt
In ganz Deutschland geraten Gleichstellungsbeauftragte zunehmend unter Beschuss, da antifeministische Angriffe stark zunehmen. Zu den jüngsten Vorfällen zählen Vandalismus, Diebstahl und sogar persönliche Drohungen – rechtsextreme Aktivist:innen zielen dabei gezielt auf Betroffene in deren Privatwohnungen ab. Die Lage hat sich so dramatisch zugespitzt, dass Expert:innen mittlerweile von einer organisierten politischen Bewegung gegen Frauen- und Queerrechte sprechen.
Die aktuelle Welle der Angriffe richtet sich sowohl gegen Personen als auch gegen Symbole. In Annweiler (Rheinland-Pfalz) veränderten Vandalen den Spruch auf einer orangen Bank – Teil der UN-Kampagne Orange the World – und instrumentalisierten ihn zur Propaganda gegen Frauen. In Osnabrück wurde eine weitere Bank mit Graffiti beschmiert, in Wiesbaden sogar komplett gestohlen. Die Bänke, die eigentlich auf geschlechtsspezifische Gewalt aufmerksam machen sollen, sind mittlerweile zu häufigen Zielen geworden.
Auf einem jüngst in Lübeck abgehaltenen Kongress übernahm die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten (BAG) das Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“. Die Delegierten berieten über Strategien, um den wachsenden Bedrohungen standzuhalten. Viele Beauftragte berichten inzwischen von systematischen Hindernissen: gekürzte Budgets, entzogene Unterstützung und offene Aggression. Eine Gleichstellungsbeauftragte aus Baden-Württemberg schilderte, wie Rechtsextreme nach einem öffentlichen Statement zu einem umstrittenen Thema vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Die Daten der Meldestelle Antifeminismus zeichnen ein düsteres Bild: Allein 2024 verzeichnete die Organisation 558 antifeministische Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche. Eine Umfrage ergab, dass 63 Prozent der Gleichstellungsbeauftragten Angriffe auf ihre Arbeit erlebt hatten, wobei 40 Prozent in den vergangenen zwei Jahren sogar mehrfach betroffen waren. Gleichzeitig führen Mittelkürzungen dazu, dass viele lokale Programme um ihr Überleben kämpfen.
Hinter den Angriffen steckt ein koordinierter Gegenangriff. Was einst eine Randposition war, hat sich zu einer strukturierten politischen Kraft entwickelt, die Frauen- und Queerrechte bekämpft. Aktivist:innen warnen, dass es nicht nur um vereinzelte Vandalenakte gehe, sondern um einen umfassenden Versuch, Gleichstellungsinitiativen zu demontieren.
Die Zunahme antifeministischer Vorfälle setzt Gleichstellungsbeauftragte unter Druck – auf mehreren Ebenen zugleich. Angesichts schrumpfender Finanzmittel und akuter Sicherheitsrisiken arbeiten viele inzwischen in einem zunehmend feindseligen Umfeld. Behörden und Interessenverbände beobachten die Entwicklung weiter genau, doch von einer Entspannung der Lage ist nichts zu erkennen.






