Mindestlohn-Erhöhung: Warum sie die Armut kaum verringert – trotz höherer Löhne
Finn BauerMindestlohn-Erhöhung: Warum sie die Armut kaum verringert – trotz höherer Löhne
Debatte über Mindestlohn: Bringt er wirklich weniger Armut?
Der deutsche Mindestlohn hat eine Diskussion über seine tatsächliche Wirkung auf die Armutsquote ausgelöst. Während Befürworter die höheren Einkommen für Geringverdiener hervorheben, zweifeln Kritiker daran, ob die Anpassungen spürbare Veränderungen bewirken. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass selbst deutliche Erhöhungen die Armutsrate nur geringfügig senken könnten.
Eine Anhebung des Mindestlohns auf 14,60 Euro bis 2027 würde die Armutsstatistiken kaum beeinflussen. Untersuchungen zeigen, dass die Armutsquote lediglich um 0,2 Prozentpunkte sinken würde. Für Beschäftigte, die bisher weniger als 12 Euro pro Stunde verdienten, verringerte sich das Armutsrisiko jedoch um 5,5 Prozentpunkte.
In Deutschland gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens zur Verfügung hat. Dennoch stieg die Armutsquote im Folgejahr auf 16,3 Prozent. Kritiker argumentieren, dass höhere Lohnkosten Unternehmen dazu veranlassen, Stellen abzubauen – was die Wirksamkeit der Maßnahme schwächt.
Auch Ökonomen bezweifeln die langfristigen Vorteile. Das Kölner Institut für Wirtschaftsforschung (IW) fand heraus, dass selbst Vollzeitbeschäftigte kaum bessere Rentenansprüche erwarten können. Befürworter verweisen dennoch auf Lohngewinne für diejenigen, die zuvor unter der neuen Mindestlohngrenze verdienten.
Ob der Mindestlohn tatsächlich ein wirksames Instrument gegen Armut ist, bleibt ungewiss. Geringfügige Rückgänge der Armutsquote stehen den Bedenken gegenüber, dass Arbeitsplätze verloren gehen und die Rentenansprüche begrenzt bleiben. Künftige Erhöhungen werden voraussichtlich weiterhin auf Skepsis bei Ökonomen und Politikern stoßen.






