Mittelständische Zulieferer in Baden-Württemberg ringen um Überleben in der Krise
Jakob BraunMittelständische Zulieferer in Baden-Württemberg ringen um Überleben in der Krise
Mittelständische Zulieferer in Baden-Württemberg kämpfen mit sinkenden Aufträgen und unsicheren Investitionen in neue Technologien
Der Automotive Cluster der wvib Schwarzwald AG hat nun ein Positionspapier vorgelegt, in dem bessere Rahmenbedingungen gefordert werden, um Arbeitsplätze und die Stabilität der Branche in der Region zu sichern.
Das von 53 Unterzeichnern unterstützte Papier ruft zu engeren Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie zu klareren politischen Weichenstellungen auf, um Unternehmen zu entlasten, die unter wachsendem wirtschaftlichem Druck stehen.
Die Automobilbranche der Region, in der 8.619 Unternehmen ansässig sind, verzeichnet starke Rückgänge: Die Exporte von Fahrzeugen und Komponenten sanken 2025 um 13,4 Prozent, wobei die Lieferungen nach China allein um 37 Prozent einbrachen. Seit 2024 häufen sich Insolvenzen und Stellenabbau – besonders in Stuttgart, einem zentralen Standort für Mercedes-Benz und Porsche, sowie in anderen Clustern, die stark von der Automobilzulieferung abhängen.
Unberechenbare Produktionspläne und schwankende Nachfrage machen eine langfristige Planung nahezu unmöglich. Zulieferer warnen, dass ohne Stabilität Investitionen in Technologie, Personal und Infrastruktur weiter zurückgehen werden. Viele betonen zudem die Herausforderungen beim Umstieg auf Elektromobilität, wo fehlgeschlagene Investitionen sie besonders verwundbar gemacht haben.
Das Positionspapier fordert die Politik zum Handeln auf: Gefordert werden wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren und eine stärkere Forschungsförderung, um die Position der Region als Technologieführer zu erhalten. Der Automotive Cluster pocht zudem auf fairere Partnerschaften zwischen Herstellern und Zulieferern, einschließlich klarer Transformationsfahrpläne, die die Verteilung von Ressourcen steuern sollen.
Hanna Böhme, Geschäftsführerin der wvib Schwarzwald AG, unterstrich diese Forderungen und betonte die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen. Sie warnte, dass Eingriffe wie das Verbrenner-Aus weitreichende Folgen für das gesamte Automobil-Ökosystem hätten. Die Kampagne "Deutschland kann mehr" treibt eine umfassendere Reformagenda voran, um die wirtschaftliche Zukunft der Region zu sichern.
Die Zulieferer sprechen sich zudem für eine CO₂-Bepreisung als Instrument des Klimaschutzes aus. Marktwirtschaftliche Anreize, so ihr Argument, förderten Innovation effektiver als pauschale Verbote oder Subventionen, die Lieferketten zusätzlich belasten könnten.
Im Mittelpunkt der Forderungen des Automotive Clusters steht die Stabilisierung der Branche durch planungssichere Politik und engere Zusammenarbeit. Ohne diese Veränderungen drohen weitere Rückgänge bei Investitionen, Produktion und Beschäftigung.
Die Empfehlungen des Papiers zielen darauf ab, Baden-Württembergs Führungsposition als Automobilstandort zu bewahren und gleichzeitig einen reibungsloseren Übergang zu neuen Technologien und Märkten zu ermöglichen.