RAW-Gelände in Berlin: Scheitern der Verhandlungen gefährdet subkulturellen Hotspot
Paul MeyerRAW-Gelände in Berlin: Scheitern der Verhandlungen gefährdet subkulturellen Hotspot
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes in Friedrichshain steht nach jahrelangen Verhandlungen infrage. Die Kurth Gruppe, Eigentümerin des Areals, erklärt, die Gespräche mit dem Bezirk seien gescheitert. In einer aktuellen Stellungnahme wirft das Unternehmen dem Bezirk vor, mit dem vorgeschlagenen Abkommen frühere Vereinbarungen zu verraten und dabei vor allem Berlins Interessen – nicht seine eigenen – zu berücksichtigen.
Die Kurth Gruppe hatte das RAW-Gelände 2015 erworben. Seither versuchte sie, gewinnorientierte Bebauung mit dem Erhalt der subkulturellen Identität des Ortes in Einklang zu bringen. 2022 schien eine Einigung greifbar: Ein Plan sah vor, 70 Projekte mit günstigen Mieten für 30 Jahre zu sichern. Doch bis 2024 zog sich das Unternehmen aus den Verhandlungen zurück.
Im vergangenen Jahr wurden die Gespräche wiederaufgenommen – mit der Hoffnung auf eine Lösung bis Mai. Doch der Bezirk verweigerte vorzeitige Baugenehmigungen, was die Verhandlungen blockierte. Ohne dessen Zusammenarbeit und einen abgeschlossenen Planungsprozess kann der Investor nicht vorankommen. Nun erklärt die Gruppe, das Planungsverfahren sei „endgültig gescheitert“, und kündigt an, stattdessen Wohnungen bauen zu wollen.
Der langjährige Club Cassiopeia auf dem Gelände wurde mündlich aufgefordert, bis Ende des Monats zu räumen – trotz gezahlter Miete. Geschäftsführer Florian Falkenhagen bestätigte die Forderung. Auch andere Projekte stehen in den kommenden Wochen vor dem Aus. Am Samstag war das Gelände noch lebendig: Bei einer öffentlichen Fußball-Übertragung herrschte reger Betrieb, doch seine langfristige Zukunft ist ungewiss.
Die soziokulturelle Bedeutung des RAW-Geländes steht auf dem Spiel. Ohne eine neue Vereinbarung könnten die Wohnbaupläne der Kurth Gruppe das Areal grundlegend verändern. Clubs wie die Cassiopeia müssten weichen – und damit endete eine Ära für einen der ikonischsten Kulturorte Berlins.






