Tübinger OB fordert radikale Lösungen für das Zugchaos nach Stuttgart

Admin User
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Ein Zug fährt auf den Schienen neben einem Bahnsteig mit einem Mast auf dem Dach, der Metallstangen mit Lampen trägt.

Tübinger OB fordert radikale Lösungen für das Zugchaos nach Stuttgart

Tübingens Oberbürgermeister hat den unzuverlässigen Zugverkehr zwischen Tübingen und Stuttgart scharf kritisiert und dringende Verbesserungen gefordert. Verkehrsminister Winfried Hermann reagierte mit Plänen zur Pünktlichkeitssteigerung, räumte jedoch ein, dass größere Modernisierungen wegen laufender Bauarbeiten und infrastruktureller Engpässe Zeit benötigen würden.

Oberbürgermeister Boris Palmer verwies auf die anhaltenden Verspätungen auf der RE-6-Strecke, die im Stundentakt zwischen Tübingen und Stuttgart verkehrt. Er schlug vor, einzelne Verbindungen vorübergehend auszusetzen, um Personal und Züge für einen stabileren Betrieb umzuschichten. Zudem regte er an, einen zusätzlichen Zug in Tübingen bereitzuhalten, um bei Verspätungen schnellere Wendemanöver zu ermöglichen.

Verkehrsminister Winfried Hermann teilte Palmers Sorgen und betonte, dass sich die Zuverlässigkeit in den vergangenen sechs Monaten weiter verschlechtert habe. Bis Ostern 2026 soll in Tübingen ein Reservezug stationiert werden, um Abfahrten auch dann pünktlich zu gewährleisten, wenn Züge aus Stuttgart mit Verspätung eintreffen. Langfristig sind ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 überlappende Wendemanöver geplant. Hermann kündigte zudem Gespräche mit DB Regio an, um das Angebot um ein Sechstel zu reduzieren – mit dem Ziel, die Gesamtqualität zu steigern. Gleichzeitig machte er deutlich, dass kurzfristige Lösungen angesichts der Infrastrukturengpässe der Deutschen Bahn und des laufenden Projekts Stuttgart 21 kaum möglich seien.

Unterdessen erklärte Wenke Böhm vom Verkehrsministerium, Palmers Vorschläge seien nicht neu und bereits von den Behörden geprüft worden. Der für den Schienenverkehr zuständige Minister Patrick Schnieder hatte die Ideen Palmers im Rahmen der Beratungen zur Streckenverbesserung thematisiert.

Die Verbindung Tübingen–Stuttgart wird bis 2026 kleinere Anpassungen erfahren, darunter den Einsatz eines Reservezugs und eine reduzierte Taktung. Größere Fortschritte bleiben jedoch von Infrastrukturausbau und der Fertigstellung von Stuttgart 21 abhängig. Die Verantwortlichen suchen weiterhin nach Wegen, Zuverlässigkeit und Ressourcen in Einklang zu bringen.