Warum „Dinner for One“ seit 60 Jahren unser Silvester prägt

Admin User
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Ein Teller mit Essen und Weingläsern auf einem Tisch.

Warum „Dinner for One“ seit 60 Jahren unser Silvester prägt

Ein britischer Comedy-Sketch aus den 1960er-Jahren ist in Deutschland und Österreich zum Silvesterklassiker geworden.*"Dinner for One" mit Freddie Frinton und May Warden wurde 1961 erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Über die Jahrzehnte entwickelte es sich zu einer der weltweit am häufigsten wiederholten Fernsehproduktionen.

Die 18-minütige Komödie begleitet die betagte Adlige Miss Sophie, die für ihre vier längst verstorbenen Freunde ein Dinner veranstaltet. Ihr Butler James serviert nicht nur das Essen, sondern schlüpft auch in die Rollen der abwesenden Gäste. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Slapstick, Ritual und stiller Melancholie, die Generationen von Zuschauern fasziniert.

Die Handlung spielt in einem prunkvollen englischen Salon um 1900, komplett mit opulenten Möbeln und einem Tigerfell-Teppich. Miss Sophie, die letzte Überlebende ihres Freundeskreises, besteht darauf, das jährliche Dinner für einen zu veranstalten. James, ihr Butler, wechselt zwischen dem Servieren der Speisen und dem Imitieren ihrer verstorbenen Gäste – jeder mit eigenen Eigenheiten und Trinksprüchen.

Das Menü folgt einem strengen, mehrgängigen Ablauf, wobei zu jedem Gericht ein bestimmtes Getränk gehört. Da James jeden Schluck für die fehlenden Gäste mittrinkt, steigt seine Trunkenheit – und damit die Komik. Das Tigerfell wird zur Requisite für physische Gags und zugleich zum Symbol einer untergehenden Aristokratie, über das James bei seinen torkelnden Dienstgängen stolpert. Doch hinter dem Humor verbirgt sich eine schärfere Beobachtung: Der Sketch zeigt Einsamkeit als unausgesprochenen Standard in einer Gesellschaft, die auf leeren Ritualen beruht. Miss Sophie und James verbinden Vertrautheit, Abhängigkeit und stumme Mittäterschaft. Er spielt ihre Illusion mit, während sie auf ihn angewiesen ist, um die Inszenierung am Laufen zu halten. Ihre Dynamik spiegelt eine ausgehöhlte soziale Ordnung wider, in der der Diener nun die Plätze seiner einstigen Herren einnimmt.

"Dinner for One" feierte seine deutsche Fernsehpremiere am 8. April 1961 in Peter Frankenfelds "Guten Abend!"-Show, auch wenn einige Quellen eine spätere Ausstrahlung im Dezember desselben Jahres nennen. In den 1970er-Jahren wurde der Sketch durch regelmäßige Silvester-Wiederholungen in der ARD zum Kulturgut. 1988 schaffte er es ins "Guinness-Buch der Rekorde" als die am häufigsten wiederholte Fernsehsendung aller Zeiten.

Heute ist "Dinner for One" fester Bestandteil des Silvesterprogramms im deutschsprachigen Raum. Seine Mischung aus Absurdität, Nostalgie und Gesellschaftskritik berührt noch immer. Der anhaltende Erfolg des Sketches beweist, wie eine schlichte, aber meisterhaft inszenierte Komödie Grenzen – und Jahrzehnte – überwinden kann.