Wie "Ringel, Ringel, Reihe" wirklich entstand – und warum es nichts mit der Pest zu tun hat
Paul MeyerWie "Ringel, Ringel, Reihe" wirklich entstand – und warum es nichts mit der Pest zu tun hat
Die Ursprünge des Kinderreims „Ringel, Ringel, Reihe“ werden seit langem diskutiert. Viele vermuten, dass er historische Seuchen wie den Schwarzen Tod oder die Große Pest von London thematisiert. Doch seine wahre Geschichte scheint weit weniger düster zu sein.
Wahrscheinlich entstand der Reim als ein Kinderspiel mit Gesang im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Sein erster bekannter Druck in englischer Sprache erschien 1881 – viele Versionen aus dieser Zeit enthalten keinerlei Hinweise auf Krankheit oder Tod.
Eine weitverbreitete Theorie bringt den Reim mit der Großen Pest von London in den 1660er-Jahren oder dem Schwarzen Tod im 14. Jahrhundert in Verbindung. Doch es gibt keine belastbaren Belege für diesen Zusammenhang. Die Assoziation mit der Pest tauchte erst 1961 auf – mehr als 80 Jahre nach der ersten gedruckten Fassung.
Forscher favorisieren heute eine andere Erklärung: Der Reim war vermutlich Teil eines „Play-Party“-Spiels für Jugendliche im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Bei solchen Treffen konnten junge Menschen trotz religiöser Verbote tanzen und sich vergnügen.
Die plausibelste Deutung ist, dass „Ringel, Ringel, Reihe“ schlicht ein harmloser, unterhaltsamer Kinderreim war. Die angeblichen Bezüge zur Pest scheinen ein modernes Missverständnis zu sein. Sein eigentlicher Zweck war wohl Vergnügen – und keine düstere historische Anspielung.






