31 May 2026, 12:15

Zwei Jobs, ein Leben: Wie Deutsche mit Polyworking gegen die Kostenkrise kämpfen

Polyworking

Zwei Jobs, ein Leben: Wie Deutsche mit Polyworking gegen die Kostenkrise kämpfen

Steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende Löhne zwingen viele Deutsche dazu, mehrere Jobs anzunehmen, um über die Runden zu kommen. In den letzten zehn Jahren haben sich die Mieten fast verdoppelt – allein in Berlin stiegen sie um 69 Prozent. Für eine Autorin ist das Balancieren zwischen zwei Teilzeitstellen in der Redaktion – und gelegentlich freiberuflichen Aufträgen – zur einzigen Möglichkeit geworden, sich das Leben in der Stadt leisten zu können.

Die Schriftstellerin arbeitet seit einem Jahr mit zwei befristeten Redaktionsverträgen, oft 50 bis 60 Stunden pro Woche. Obwohl ihr beide Jobs gefallen, bleibt kaum Zeit für Erholung. Sozialkontakte pflegt sie notgedrungen über Sprachnachrichten und kurze Treffen. Ein einziges Teilzeitgehalt reichte kaum für die Miete – eine Festanstellung, die oft ebenfalls prekär ist, wäre finanziell kein Ausweg.

Dieser Kampf ist kein Einzelschicksal. Eine Umfrage des Portals Academized aus dem Jahr 2025 zeigt: Jede zweite Person zwischen 26 und 41 Jahren übt mittlerweile mindestens einen Nebenjob aus. Seit 2020 sind die Stellenangebote für Teilzeitjobs in Großstädten um fast 69 Prozent gestiegen. Viele Vollzeitstellen zahlen so schlecht, dass Arbeitnehmer:innen kaum ihre Grundkosten decken können – von Rücklagen für die Rente ganz zu schweigen.

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„Polyworking“ – das gleichzeitige Ausüben mehrerer Jobs – ist für die Mittelschicht zur Überlebensstrategie geworden. Wirtschaftliche Unsicherheit und häufige Entlassungen verschärfen den Druck. Arbeitnehmer wie die Autorin stecken in einem Teufelskreis aus befristeten Verträgen und finanzieller Instabilität fest.

Fürs Erste bieten ihre beiden Jobs eine brüchige Stabilität in einem teuren, unberechenbaren Markt. Der Aufstieg des Polyworkings offenbart, wie traditionelle Beschäftigungsverhältnisse oft nicht einmal die Grundbedürfnisse decken. Ohne tiefgreifende Veränderungen könnten immer mehr Menschen gezwungen sein, noch mehr zu arbeiten – nur um nicht abgehängt zu werden.

Quelle