09 May 2026, 14:19

AfD-Politiker Tillschneider löst mit NS-Aussagen bundesweite Empörung aus

Titelbild einer 1940er-Ausgabe der 'Deutschen Kolonial-Zeitung' mit Adolf Hitler, gehalten von einer Gruppe von Menschen mit Mützen.

AfD-Politiker Tillschneider löst mit NS-Aussagen bundesweite Empörung aus

Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, hat mit seinen Äußerungen zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus eine Kontroverse ausgelöst. Seine Aussagen stellten die seit langem etablierten Perspektiven auf historische Schuld und nationale Identität infrage und zogen scharfe Kritik von politischen Gegnern sowie Historikern auf sich.

Bei einer Veranstaltung zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs bezeichnete Tillschneider die deutsche Erinnerungskultur der Nachkriegszeit als „absurde Schuldkultur“ und eine „imaginäre Kollektivschuld“. Er argumentierte, die Deutschen hätten die Werte der alliierten Befreier aus psychologischer Schwäche und dem Bedürfnis heraus übernommen, Verantwortung zu umgehen. Seine Kritik richtete sich auch gegen die berühmte Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985, die er als „geistige Kapitulation“ abtat.

Der AfD-Politiker deutete die militärische Niederlage Deutschlands zudem als Verlust „weiter deutscher Kulturlandschaften“ – trotz der Anerkennung der Befreiung selbst. Die Verantwortung für die NS-Verbrechen schrieb er vor allem einem Versagen der Führungselite zu, nicht jedoch einer breiten gesellschaftlichen Mittäterschaft. Unter Berufung auf den konservativen Politiker Franz Josef Strauß forderte Tillschneider eine „normale deutsche Identität“, frei von dem, was er als „Selbstgeißelung“ bezeichnete.

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Kritiker verurteilten seine Aussagen umgehend. Gegner warfen der AfD vor, aus der Geschichte keine Lehren zu ziehen, während andere die Äußerungen als direkte Beleidigung der NS-Opfer brandmarkten. Die Haltung der Partei in Sachsen-Anhalt wurde zudem dafür kritisiert, intellektuelle Abgrenzung statt einer „stolzen Zukunft“ zu fördern.

Tillschneiders Rede hat die Debatte über das deutsche Geschichtsbewusstsein und die Position der AfD zur NS-Zeit neu entfacht. Die empörten Reaktionen zeigen, wie tief die Gesellschaft in der Frage gespalten ist, wie das Land mit seiner Vergangenheit umgehen soll. Seine Worte sind nun zum Kristallisationspunkt der anhaltenden Diskussionen über nationale Identität und Verantwortung geworden.

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