Deutsche Großkonzerne fliehen ins Ausland – Jobs und Forschung wandern ab
Jakob BraunDeutsche Großkonzerne fliehen ins Ausland – Jobs und Forschung wandern ab
Deutsche Großkonzerne verlagern Produktion und Forschung ins Ausland – wegen hoher Kosten, Bürokratie und Energiepreisen
Fast die Hälfte der befragten Unternehmen plant zudem, bis 2030 mehr Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in globale Regionen zu verlagern, um lokale Märkte besser zu bedienen. Die deutsche Industrie hat bereits bis zum ersten Quartal 2026 rund 127.300 Arbeitsplätze abgebaut – ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2019 summiert sich der Verlust auf 341.500 Stellen. Allein der Chemiekonzern Evonik wird seine Belegschaft um weitere 3.200 Mitarbeiter reduzieren, vor allem an deutschen Standorten, nachdem das Unternehmen seit 2024 bereits 2.800 Verwaltungsstellen gestrichen hat.
Die hohen Arbeitskosten in Deutschland, die 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt und mehr als doppelt so hoch wie in Asien oder Osteuropa liegen, treiben Unternehmen zur Verlagerung ins Ausland. Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets bis 2030 werden zwar in Deutschland bleiben – vor allem für die Instandhaltung von Anlagen und Automatisierung. Neue Kapazitäten und Arbeitsplätze entstehen jedoch zunehmend im Ausland.
Störungen in den Lieferketten bleiben das größte operationelle Risiko für Unternehmen. Dies hat viele Firmen dazu veranlasst, eine „Local-for-Local“-Strategie zu verfolgen und Güter näher an den Absatzmärkten zu produzieren. Steigende Zölle und Handelsbarrieren verstärken diesen Trend zusätzlich. Nur 16 Prozent der Unternehmen planen, ihre Belegschaft in Deutschland auszubauen – ähnlich niedrig sind die Werte in Westeuropa. Stattdessen konzentrieren sie ihr Wachstum auf Indien, China, Nordamerika, den Nahen Osten und Afrika.
Fast jedes befragte Industrieunternehmen will bis 2030 seine Präsenz in Indien ausbauen. Dort erwarten die Firmen ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 4 Prozent – doch durch Automatisierung und KI werden daraus nur wenige neue Arbeitsplätze entstehen.
Die Verlagerung ins Ausland wird vorangetrieben durch Kostendruck, Handelshemmnisse und den Bedarf an lokaler Produktion. Deutsche Investitionen werden künftig vermehrt in ausländische Märkte fließen, während das Beschäftigungswachstum im Inland begrenzt bleibt. Automatisierung und Künstliche Intelligenz werden auch in den kommenden Jahren die Personalentscheidungen prägen.
