EMAF in Osnabrück: Streit um umstrittenen Film und politische Folgen
Maximilian BrandtEMAF in Osnabrück: Streit um umstrittenen Film und politische Folgen
European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück gerät wegen umstrittenem Film in die Kritik
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück steht wegen der Entscheidung, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Al-Sharif zu zeigen, in der Kritik. Die Aufnahme des Werks in das Programm hat eine politische Debatte ausgelöst, in der Vorwürfe des Antisemitismus und Verbindungen zur BDS-Bewegung erhoben werden. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat in der Folge seine Schirmherrschaft für die diesjährige Veranstaltung zurückgezogen.
Gezeigt wird Al-Sharifs Film Morning Circle, doch die Kritik richtet sich weniger gegen das Kunstwerk selbst als vielmehr gegen ihre Aktivitäten in sozialen Medien. Ein Halloween-Kostümfoto und andere Äußerungen wurden von manchen als antisemitisch interpretiert. Die Stadt Osnabrück, die das EMAF mit jährlich rund 150.000 Euro fördert, hat sich von der Programmwahl distanziert.
Thomas Groß, ein Vertreter des Festivals, argumentiert, dass palästinensische Stimmen nicht unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen gebracht werden dürften. Das EMAF habe in der Vergangenheit auch jüdische und israelische Künstler:innen präsentiert und betone damit sein Engagement für vielfältige Perspektiven. Die Landesregierung wiederum respektiere zwar die Unabhängigkeit des Festivals, lehne Antisemitismus jedoch entschieden ab.
Der Streit spiegelt die größeren Spannungen in Deutschland um die BDS-Bewegung wider. Seit 2019 stuft der Bundestag BDS als antisemitisch ein und hat die öffentliche Förderung für deren Unterstützer:innen gestrichen. Seit Oktober 2023 haben sich die Debatten weiter zugespitzt, etwa durch Absagen von BDS-nahen Veranstaltungen in Berlin und Hamburg. Während einige Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen die Bewegung weiterhin unterstützen, wird sie im öffentlichen Diskurs zunehmend als extremistisch wahrgenommen.
Das EMAF wird Al-Sharifs Film trotz der politischen Folgen zeigen. Die Förderung des Festivals bleibt zwar bestehen, doch die Programmgestaltung steht weiterhin unter Beobachtung. Der Fall verdeutlicht die Herausforderungen, künstlerische Freiheit und Antidiskriminierungsrichtlinien in Deutschlands Kulturbetrieb in Einklang zu bringen.






