04 April 2026, 16:16

Zoff auf dem Münchner Gipfel: Redcare-Chef und Apothekerkammer streiten über Zukunft der Apotheken

Plakat mit der Aufschrift "Senken der Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente unter der Biden-Harris-Regierung" mit Text und Logo.

Zoff auf dem Münchner Gipfel: Redcare-Chef und Apothekerkammer streiten über Zukunft der Apotheken

Heftige Debatte auf dem Kooperationsgipfel in München zwischen Redcare-Chef und Apothekerkammer-Präsidentin

Auf dem Kooperationsgipfel in München kam es zu einer hitzigen Auseinandersetzung zwischen Olaf Heinrich, Vorstandsvorsitzendem von Redcare, und Dr. Ina Lucas, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin. Im Mittelpunkt standen die Zukunft der Vor-Ort-Apotheken, Gebührenerhöhungen und die Rolle von Versandapotheken im deutschen Gesundheitssystem.

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Die Kontroverse offenbarten tiefe Gräben bei Fragen zu Rezeptboni, Standards für die Arzneimittellieferung und der Überlebensfähigkeit kleiner Apothekenbetriebe. Heinrich eröffnete die Debatte mit der Behauptung, dass ein Drittel der stationären Apotheken wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sei. Die Diskussion über das Apothekennetz in Deutschland sei überfällig, so der Manager. Eine Gebührenerhöhung um 9,50 Euro werde die kämpfenden Betriebe nicht retten – stattdessen böten größere Strukturen bessere Patientenbetreuung als kleine, unabhängige Apotheken.

Dr. Lucas konterte mit dem Hinweis, dass die Therapiebegleitung eine Kernaufgabe der Vor-Ort-Apotheken bleibe. Versandapotheken wie Shop Apotheke seien für dieselbe Leistung "viel zu teuer". Zudem betonte sie, dass Apotheken flächendeckende Dienstleistungen nur bei angemessener Vergütung erbringen könnten. Die jahrelange Verzögerung bei Gebührenanpassungen nannte sie ungerechtfertigt.

Im weiteren Verlauf ging es um Arzneimittellieferung und die Einhaltung der Kühlkette. Heinrich verteidigte die Praktiken von Redcare und enthüllte, dass das Unternehmen Testbestellungen durchführe, um Kurierdienste zu überwachen – darunter Fälle, in denen Medikamente bei Nachbarn abgelegt worden seien. Bedenken hinsichtlich der Compliance bei Standardmedikamenten wies er zurück.

Zum Thema Rezeptboni beharrte Heinrich darauf, dass europäisches Recht nationale Vorschriften überlagere. Trotz anhaltender Kritik gebe es derzeit keine einstweiligen Verfügungen gegen ihr Bonusmodell. Seit dem Gipfel wurden keine gesetzlichen Änderungen oder Anpassungen im Sozialgesetzbuch zu diesen Prämien verzeichnet.

Die Debatte ließ zentrale Fragen offen – insbesondere zu Gebührenstrukturen und der rechtlichen Bewertung von Rezeptboni. Unmittelbare politische Konsequenzen oder juristische Schritte blieben aus. Fest steht: Der Konflikt zwischen traditionellen Apotheken und dem wachsenden Versandhandel prägt weiterhin die deutsche Gesundheitslandschaft.

Quelle