16 March 2026, 06:17

Geschlechterungleichheit bleibt trotz Fortschritten in Bildung und Beruf bestehen

Ein Plakat mit der Aufschrift "Toiletten sind geschlechtsneutral" betont die Bedeutung des Geschlechts in Toiletten.

Ein Junge? - Warum einige Eltern damit hadern - Geschlechterungleichheit bleibt trotz Fortschritten in Bildung und Beruf bestehen

Trotz einiger Fortschritte bleiben die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bildung, Karriereentwicklung und familiären Rollen in Deutschland weiterhin ausgeprägt. Zwar erwerben heute mehr Frauen einen Doktortitel und beginnen ein Studium, doch Männer dominieren nach wie vor Führungspositionen und Promotionsstudiengänge. Neue Studien zeigen zudem gegensätzliche Trends im Verhalten von Kindern, in schulischen Leistungen und den Erwartungen der Eltern.

Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil der Frauen, die in Deutschland promovieren, von etwa 35 auf über 45 Prozent gestiegen. In der Wirtschaft hingegen wächst der Frauenanteil in Führungspositionen nur langsam – von rund 10 auf 25 bis 30 Prozent insgesamt, während er in den Vorständen der DAX-Unternehmen weiterhin unter 15 Prozent liegt. Zudem verdienen Frauen pro Stunde weniger, oft wegen Teilzeitarbeit oder schlechter bezahlter Tätigkeiten, insbesondere wenn sie Kinderbetreuung oder Pflegeaufgaben übernehmen, wie das Statistische Bundesamt berichtet.

In der Bildung schneiden Mädchen in Lesekompetenz und bei den Abiturquoten besser ab als Jungen, auch wenn diese in Mathematik leicht führen. Die Bildungsforscherin Ricarda Steinmayr stellt fest, dass Mädchen bei ähnlichen Fähigkeiten bessere Noten erhalten, seltener jedoch für anspruchsvolle Bildungswege empfohlen werden. Jungen hingegen zeigen häufiger Verhaltensauffälligkeiten in der Schule und erhalten öfter eine ADHS-Diagnose, während Mädchen stärker von Depressionen und Ängsten betroffen sind, erklärt Alexandra Langmeyer-Tornier vom Deutschen Jugendinstitut.

Auch die Einstellungen der Eltern spiegeln diese Unterschiede wider. Manche Eltern äußern offen ihre Enttäuschung in sozialen Medien, wenn das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes nicht ihren Wünschen entspricht. Die Psychologieprofessorin Anna-Lena Zietlow beobachtet, dass heutige Eltern erwarten, dass sich Kinder nahtlos in ihr Leben einfügen. Kulturelle Vorurteile könnten ebenfalls eine Rolle spielen: Mädchen gelten oft als anpassungsfähiger und fürsorglicher, während Jungen als wild und weniger schulisch erfolgreich wahrgenommen werden, meint die Genderforscherin Tina Spies.

Die Daten offenbaren anhaltende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Bildung, Beruf und Familie. Mädchen sind in der Schule zwar erfolgreicher, stoßen aber auf Hindernisse bei anspruchsvollen akademischen Laufbahnen und Führungspositionen. Jungen dominieren zwar bestimmte Bereiche, kämpfen jedoch mit Verhaltensproblemen und psychischen Belastungen. Diese Entwicklungen unterstreichen die anhaltenden Disparitäten in Chancen und gesellschaftlichen Erwartungen.

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