Russlands Verbot des Nurejew-Balletts zeigt kulturelle Zensur in Aktion
Maximilian BrandtRusslands Verbot des Nurejew-Balletts zeigt kulturelle Zensur in Aktion
Ein Ballett zu Ehren Rudolf Nurejews, eines der größten Tänzer der Geschichte, wurde in Russland verboten. Die Produktion, die 2017 uraufgeführt wurde, verschwand 2023 vom Spielplan des Bolschoi-Theaters – Grund sind ihre LGBTQ+-Themen. Nurejew, 1938 geboren und 1993 gestorben, bleibt eine Legende des Balletts.
Das Ballett Nurejew feierte 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater Premiere, choreografiert von Juri Possochow und inszeniert von Kirill Serebrennikow. Es erzählt von Nurejews Weg – von seiner Ausbildung an der Waganowa-Ballettakademie bis zu seiner spektakulären Flucht in den Westen. Das Bühnenbild greift Gegenstände aus seinem Leben auf und spiegelt so seine außergewöhnliche Karriere und persönlichen Kämpfe wider.
Serebrennikow, offen schwul, stand während der russischen Premiere unter Hausarrest und konnte nicht anwesend sein. Später wurde er wegen Veruntreuung verurteilt und floh schließlich als exilierter Künstler nach Berlin. Possochow, in der Ukraine geboren, arbeitet trotz des anhaltenden Krieges weiterhin in Russland.
Der erste Akt des Balletts wurde für seine emotionale Tiefe und Energie gefeiert. Kritiker bemängelten jedoch, dass der zweite Akt, obwohl visuell beeindruckend, nicht dieselbe Wirkung entfaltete. Nach der Uraufführung 2017 geriet die Produktion unter wachsenden Druck durch Russlands verschärfte Anti-LGBTQ+-Gesetze. 2023 stufte die Regierung sie als "Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen" ein – das Verbot war die Folge.
Nurejews Vermächtnis reicht über die Bühne hinaus. Nach seinem Tod 1993 an den Folgen von Aids wurde sein Nachlass 1995 versteigert. Das ursprünglich 1995 in Berlin entstandene Ballett ist seitdem Symbol für künstlerische Brillanz und politische Unterdrückung zugleich.
Das Verbot von Nurejew spiegelt die zunehmende Einschränkung LGBTQ+-bezogener Äußerungen in Russland wider. Mit der Streichung aus dem Programm des Bolschoi-Theaters endet die Aufführungsgeschichte des Stücks in dem Land, in dem Nurejew einst seine Ausbildung begann. Unterdessen sehen sich seine Schöpfer weiterhin persönlichen und beruflichen Herausforderungen inmitten politischer Spannungen ausgesetzt.






