Streit um Demokratieförderung: 200-Millionen-Programm in der Kritik
Ein politischer Streit ist über die Pläne zur Umstrukturierung der Initiative Lebendige Demokratie entbrannt, einem mit jährlich 200 Millionen Euro dotierten Programm zur Förderung der Zivilgesellschaft. Das 2014 nach den rechtsterroristischen NSU-Morden ins Leben gerufene Projekt sieht sich nun von allen Seiten der politischen Landschaft Kritik ausgesetzt – mit Vorwürfen, es untergrabe Anti-Hass- und Demokratieförderprojekte.
Ausgelöst wurde der Konflikt durch Reformvorschläge der CDU/CSU für das Förderprogramm Demokratie in Aktion. SPD-Abgeordnete zeigten sich gespalten: Sie mussten abwägen, ob sie die Änderungen ablehnen, sich neutral verhalten oder vorsichtige Unterstützung signalisieren sollten. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Felix Döring unterstützte die Koalitionspläne zunächst, äußerte später jedoch Zweifel an der Begründung der Ministerin und kündigte weitere Gespräche an.
Saskia Esken, ebenfalls SPD-Abgeordnete, bezog eine deutlichere Position. Sie warf dem Koalitionspartner vor, Instabilität zu schaffen und zivilgesellschaftliche Strukturen zu gefährden. Ihre Kritik richtete sich insbesondere gegen einen CDU-Abgeordneten, der die mögliche Streichung der Mittel für HateAid begrüßt hatte – eine Organisation, die sich gegen Hass und Gewalt im Netz engagiert.
Auch aus der Opposition meldeten sich schnell Stimmen zu Wort. Clara Bünger von der Linken behauptete, der Ansatz der CDU/CSU schwäche die Zivilgesellschaft und komme indirekt der rechtsextremen AfD zugute. Unterdessen sendeten AfD-Abgeordnete widersprüchliche Signale: Einer bedankte sich bei der CDU/CSU für die Reformen, ein anderer forderte die vollständige Abschaffung des Programms.
Familienministerin Karin Prien räumte zwar Erfolge von Lebendige Demokratie ein, argumentierte aber, die Reformen seien notwendig, um ein "lernfähiges System" zu schaffen. Die Gegenwehr verstärkte sich, als eine Petition gegen die Umstrukturierung auf der Plattform Campact innerhalb von 48 Stunden fast 45.000 Unterschriften sammelte.
Die geplanten Änderungen haben tiefe Gräben zwischen den Koalitionspartnern und der Opposition aufgedeckt. Während der öffentliche Widerstand wächst und die Abgeordneten uneins über das weitere Vorgehen sind, bleibt die Zukunft der Initiative Lebendige Demokratie ungewiss. Im Mittelpunkt der Debatte steht nun die Frage, ob die Reformen wie geplant umgesetzt werden – oder ob der zunehmende Druck zu einem Umdenken zwingt.






