02 April 2026, 14:15

Thüringens Pilotprojekt enthüllt: Wie digitale Gewalt Jugendliche bedroht

Karte von Australien, die in Rot schattiert ist, um den Prozentsatz von minderjährigen Teenagern in jedem Bundesstaat anzuzeigen, mit Text unten, der besagt "Minderjährige Teenager können auf die Sex-Täter-Liste gesetzt werden für den Fall von einvernehmlichem Sex."

Thüringens Pilotprojekt enthüllt: Wie digitale Gewalt Jugendliche bedroht

Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen lenkt Blick auf digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen

Ein dreijähriges Modellprojekt in Thüringen hat die dringende Thematik digitaler sexualisierter Gewalt unter jungen Menschen in den Fokus gerückt. Finanziert vom Landesjugendamt war die Initiative die erste ihrer Art in Deutschland. Fast die Hälfte aller Jugendlichen gibt an, bereits Online-Belästigung mit sexuellem Bezug erlebt zu haben – das geht aus Daten des Bundesgesundheitsministeriums hervor.

Zwischen 2020 und 2023 leitete die Expertin Yasmina Ramdani Präventionsworkshops an Schulen in ganz Thüringen. Rund 5.000 Schüler:innen nahmen an Veranstaltungen teil, die darauf abzielten, ihre Erfahrungen zu bestätigen, über ihre Rechte aufzuklären und digitalen Missbrauch zu verhindern. Das Projekt zeigte, wie häufig Grenzverletzungen innerhalb von Freundeskreisen oder Klassenchats stattfinden – oft ausgedrückt durch Naivität oder Gruppendruck.

Eine verbreitete Form der digitalen Gewalt ist Cybergrooming, bei dem Täter:innen gezielt das Vertrauen von Kindern in Chats aufbauen, um sie anschließend sexuell zu belästigen. Ramdani betonte, dass der Schutz von Kindern maßgeblich davon abhängt, dass Erwachsene klare Grenzen setzen und verantwortungsvolles Verhalten vorleben. Zwar erkennen Lehrkräfte die Bedeutung des Themas an, viele fühlen sich jedoch ohne Unterstützung überfordert, es angemessen zu behandeln.

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Auch Eltern kommen eine Schlüsselrolle zu: Sie sollten offen über digitale Risiken sprechen und das eigene Online-Verhalten reflektieren. Das Projekt belegte, dass frühzeitige Prävention langfristige Folgekosten – etwa durch Traumata oder juristische Konsequenzen – verringert. Dennoch gibt es Stand April 2026 kein bundesweites System, das erfasst, wie viele Schulen ähnliche Programme eingeführt haben. Einige Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen setzen zwar vereinzelte Initiativen um, doch die meisten Maßnahmen bleiben unkoordiniert.

Das Thüringer Pilotprojekt endete 2023 und hinterlässt eine Lücke bei bundesweiten Daten zu schulischer Präventionsarbeit. Zwar herrscht unter Expert:innen Konsens über die Notwendigkeit strukturierter Aufklärung, die Umsetzung bleibt jedoch lückenhaft. Die Ergebnisse unterstreichen, wie entscheidend die Begleitung durch Erwachsene ist, um junge Menschen vor digitaler sexualisierter Gewalt zu schützen.

Quelle