TMZ erobert Washington: Wie Klatschjournalismus die Politik verändert
Jakob BraunTMZ erobert Washington: Wie Klatschjournalismus die Politik verändert
Die politische Berichterstattung in Washington nimmt zunehmend einen reißerischen, boulevardesken Ton an – ausgelöst durch den Expansionskurs des Klatschportals TMZ, das nun auch die Hauptstadt ins Visier nimmt. Bekannt für exklusive Enthüllungen aus der Unterhaltungsbranche, jagt die Plattform nun Abgeordnete mit Kameras und veröffentlicht ungestellte Aufnahmen. Dieser Wandel vollzieht sich zu einer Zeit, in der die Zustimmungswerte für den Kongress wie auch für den früheren Präsidenten Donald Trump nahe historischer Tiefstände verharren.
Gegründet wurde TMZ 2005 unter der Leitung von Harvey Levin, der das Portal bis heute leitet. Berühmt wurde es durch spektakuläre Scoops, darunter der Tod von Michael Jackson 2009 und die damit verbundenen Drogenvorwürfe. Nun richtet die Washington-Dependance TMZ DC ihr Augenmerk auf die Politik.
Erst kürzlich veröffentlichte das Portal ein virales Bild von Senator Lindsey Graham, der in Disney World einen Zauberstab hält. Zudem konfrontiert es Politiker direkt und ruft die Öffentlichkeit auf, unbewachte Fotos von Amtsträgern einzusenden. Die Methode sorgt für Aufsehen – selbst Verteidigungsminister Pete Hegseth nahm TMZ DC während einer Pressekonferenz im Pentagon ins Visier.
Doch der Einfluss von TMZ in Washington bleibt begrenzt. Das Portal verfügt über keine Akkreditierung für die Kongress-Pressebereiche und hat damit keinen Zugang zu offiziellen Veranstaltungen. Gleichzeitig bröckelt das Vertrauen in die Regierung. Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Gallup zeigen eine Ablehnungsquote von 86 Prozent gegenüber dem Kongress – ein Rekordtief. Daten von AP-NORC offenbaren zudem, dass nur 33 Prozent der erwachsenen US-Bürger mit Trumps Amtsführung als Präsident insgesamt zufrieden sind.
Die politische Stimmung ist zunehmend aufgeladen. Allein im April 2023 traten drei Abgeordnete wegen Vorwürfen zurück, die von sexuellen Übergriffen bis zu Betrug reichten. Trumps mögliche Rückkehr ins Weiße Haus verwischt zudem die Grenzen zwischen Politik und Prominentenkultur – und macht TMZs aufdringlichen Berichterstattungsstil relevanter denn je.
Der Vorstoß von TMZ in die politische Berichterstattung spiegelt einen grundlegenden Wandel in der Funktionsweise Washingtons wider. Angesichts der historisch niedrigen Zustimmungswerte für Kongress und Trump findet der ungeschönte Ansatz des Portals zunehmend Resonanz. Ob sich diese Methoden dauerhaft in der politischen Berichterstattung etablieren, bleibt jedoch abzuwarten.






