Wie E-Autos in Baden-Württemberg heimlich das Stromnetz retten – und Fahrer belohnen
Paul MeyerWie E-Autos in Baden-Württemberg heimlich das Stromnetz retten – und Fahrer belohnen
Neues Feldprojekt in Baden-Württemberg: Wie Elektroautos das Stromnetz entlasten – ohne Fahrern lästig zu fallen
In Baden-Württemberg läuft derzeit ein innovatives Praxisexperiment, das untersucht, wie Elektrofahrzeuge (E-Autos) das Stromnetz stabilisieren können, ohne die Nutzer zu beeinträchtigen. Unter dem Namen LadeFlexBW erhalten private E-Auto-Besitzer finanzielle Anreize, wenn sie ihre Ladegewohnheiten anpassen. Ziel des Projekts ist es, zu beweisen, dass bereits kleine Flexibilitäten im Alltagsbetrieb ausreichen, um das Netz zu entlasten.
Die Teilnahme ist freiwillig und so konzipiert, dass sie für die Fahrer keine Umstände bedeutet. Autofahrer in der Region können mitmachen, ohne ihren Stromanbieter oder Tarif wechseln zu müssen. Stattdessen wird ihre Ladeflexibilität separat vermarktet – und schafft so eine zusätzliche Einnahmequelle.
Anders als viele Pilotprojekte setzt LadeFlexBW keine intelligenten Stromzähler voraus. Es funktioniert innerhalb des bestehenden Standardlastprofil-Rahmens (SLP) und zeigt damit, dass netzdienliches Laden auch mit der heutigen Infrastruktur möglich ist. Das System ist zudem skalierbar – von einigen hundert bis zu zehntausenden E-Autos – und damit für einen flächendeckenden Einsatz geeignet.
Experten sehen in dem Projekt einen wichtigen Schritt, um E-Mobilität und erneuerbare Energien enger zu verzahnen. Dominique Gross, Geschäftsführer von Intelligent Energy System Services (IE2S), will ein Modell testen, bei dem E-Auto-Besitzer durch optimierte Ladezeiten Geld verdienen. Oliver Strangfeld, Vorstandsmitglied bei TransnetBW, betont, dass solche Reallabore helfen, von kleinen Pilotversuchen zu großflächigen Lösungen zu kommen.
Die Erkenntnisse aus LadeFlexBW könnten künftige Energiepolitiken, digitale Ladedienste und Netzentgeltstrukturen prägen. Das Projekt passt zudem in die europäische Strategie, Nachfragesteuerung (Demand Response) auszubauen – also Verbraucher aktiv in die Stabilisierung des Stromnetzes einzubinden.
Das Experiment liefert wertvolle Einblicke, wie E-Autos ein auf erneuerbaren Energien basierendes Netz unterstützen können, während die Fahrer gleichzeitig profitieren. Die Ergebnisse könnten neue Geschäftsmodelle, regulatorische Rahmenbedingungen und skalierbare Lösungen für dezentrale Flexibilität im Energiesystem vorantreiben. Die Teilnehmer erhalten eine Vergütung, und das System kommt ohne aufwendige Infrastrukturänderungen aus.






