Koblenz feiert ungewöhnlichen Gottesdienst zwischen Glaube, Kunst und Wissenschaft

Jakob Braun
Jakob Braun
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Ein Bild mit dem Titel "Naturstillleben mit Äpfeln und Birnen" von St. Pelagre, das ein Naturstillleben von Äpfeln und Birnen auf einem Tisch mit einem Baum und einem wolkenverhangenen Himmel im Hintergrund zeigt.Jakob Braun

Koblenz feiert ungewöhnlichen Gottesdienst zwischen Glaube, Kunst und Wissenschaft

Ein ungewöhnlicher interreligiöser Gottesdienst in Koblenz verband Religion, Kunst und Wissenschaft

In Koblenz fand ein außergewöhnlicher ökumenischer Gottesdienst statt, der Religion, Kunst und Wissenschaft miteinander verband. Die Veranstaltung, organisiert vom Kulturbüro der Stadt und dem Schulamt, brachte protestantische und katholische Geistliche mit lokalen Künstlern und Wissenschaftlern zusammen. Im Mittelpunkt stand die Installation Mensch von Barbara Gröbl, die sich mit menschlicher Erschöpfung und kreativer Erneuerung auseinandersetzte – durch eindrucksvolle skulpturale und performative Elemente.

Die Feier wurde gemeinsam vom Superintendenten Rolf Stahl der Evangelischen Kirche und vom Dekan Thomas Darscheid der Katholischen Kirche geleitet. Ihre Zusammenarbeit prägte einen Abend, der geistliche Reflexion mit künstlerischem Ausdruck verband. Unter den Mitwirkenden waren renommierte lokale Ensembles wie die Rheinische Philharmonie, die Musikschule Koblenz sowie Schauspieler des Theater Koblenz, außerdem der Organist Joachim Aßmann.

Im Anschluss an den Gottesdienst begaben sich die Teilnehmer ins Künstlerhaus Metternich zur Eröffnung der Ausstellung Teil des Ganzen XII – ERSCHÖPFEND KREATIV des Bundes Bildender Künstler Mittelrhein (AKM). Den Abend bereicherte zudem ein Vortrag von Professor Wolf-Andreas Liebert von der Universität Koblenz. Er analysierte den Neologismus ersöchpferisch – eine Wortschöpfung aus erschöpfen und kreativ – und kritisierte die gesellschaftliche Fixierung auf Macht und Konsum, wobei er Sigmund Freuds Idee vom "prothetischen Gott" aufgriff.

Gröbls Installation Mensch knüpfte direkt an das Thema an und zeigte Figuren, die zugleich erschöpft und regenerativ wirkten. Das Kunstwerk, das ursprünglich auf dem Ars Electronica Festival 2025 in Linz präsentiert wurde, verband biologische Erkenntnisse zur Zellregeneration, Tänzerperformances, die die Umkehr von Entropie simulierten, sowie philosophische Diskurse über schöpferische Zerstörung. Die Installation bleibt bis zum 15. März 2026 in der Herz-Jesu-Kirche zu sehen.

Die Veranstaltung stand für eine seltene Verbindung von Glaube, Kunst und akademischem Denken in Koblenz. Gröbls Installation, die interdisziplinären Performances und Lieberts Vortrag unterstrichen gemeinsam das Spannungsfeld von Erschöpfung und Kreativität. Besucher können Mensch noch ein Jahr lang in der Herz-Jesu-Kirche erleben.